Vergebung der Sünden

Man kann seinen spirituellen Zustand nicht verbessern, ohne sich von den Sünden gereinigt zu haben. Da nun aber die Sünden vom Wesen her unsere Schuld vor Gott darstellen, so kann auch nur Er uns von ihnen reinwaschen, und zwar durch Vergebung. Der Herr Jesus Christus, der zugleich vollkommen Gott und vollkommen Mensch war, hatte die Macht zur Vergebung der Sünden: "Auf dass ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben..." (Luk. 5, 24). Diese Macht übergab Er der Kirche durch die Apostel, als Er ihnen nach Seiner Auferstehung erschienen war: "Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie Mich der Vater gesandt hat, so sende Ich euch. Und da Er das gesagt hatte, blies Er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten." (Joh. 20, 21-23). In der Kirche sind es die Bischöfe und Priester, die als Nachfolger der Apostel die Macht besitzen, Sünden zu erlassen. Für diesen Dienst werden sie geweiht (und erhalten die Macht, Sünden zu erlassen) durch ein Gebet mit Auflegung der Hände anderer Bischöfe, welche ihrerseits Glieder jener über Jahrhunderte hinweg ununterbrochenen Kette der Handauflegung sind, die von den Aposteln und dem Herrn Jesus herrührt. Somit geschieht die Vergebung der Sünden in der Kirche nicht aufgrund eines besonders heiligmässigen oder von Gebet erfüllten Lebens des einen oder anderen Klerikers, sondern aufgrund der ihm von Gott gegebenen Macht.

Eine Voraussetzung für die Vergebung der Sünden in der Kirche ist das reumütige Sündenbekenntnis (die Beichte) vor Gott und der Kirche - in der Gestalt des Priesters. Durch das Gebet zur Erteilung, der Absolution, welches der Priester nach der Beichte spricht, vergibt Gott, welcher unsichtbar und mystisch der Beichte beiwohnt (daher auch die Bezeichnung Mysterium), dem Sünder bzw. der Sünderin. Reu, Sündenbekenntnis und Vergebung sind die grundlegenden Etappen des Mysteriums der Busse, in dem Gott die Seelen der Sünder heilt und in ihnen Seine Wirkung erneuert. Jedoch vollzieht sich diese Heilung nicht "automatisch", also nicht gegen den Willen des Menschen, sondern durch dessen Mitwirken, die sich darin ausdrückt, dass er keine neuen schwerwiegenden Sünden begeht sowie sein ganzes Leben überdenkt und neu ausrichtet. Das erfordert Anstrengung, denn "... bis hierher leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, die reißen es an sich." (Matt. 11, 12). Aber gibt es etwas Unmögliches, dass mit Hilfe Gottes nicht möglich wäre?

Fragen Sie ihr Gewissen

Nun sind Sie also bereit, ihre Seele im Mysterium der Busse zu reinigen. Sie sind erwachsen, wurden schon als Kind getauft und sind bisher noch nie zur Beichte gekommen. Alles scheint nun sehr einfach, - in die Kirche zur Beichte zu gehen und alle Sünden zu benennen, die unser Gewissen plagen. Doch gerade hier ergibt es sich, dass unser Gewissen gleichsam "tot" ist, wenn es durch Todsünden "vergiftet" ist. Wie seltsam es auch erscheinen mag, doch hinter dem Empfinden der eigenen Sündlosigkeit verbirgt sich allzu oft ein "schlafendes" Gewissen als Folge einer nicht bereuten Todsünde. Und umgekehrt ermöglichte das "wachende" Gewissen Heiliger, die Vielzahl eigener Sünden zu erkennen. So steht es auch beim Apostel Johannes: "Wo wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns." (I Joh. 1, 8). Deshalb ist es Notwendig, sich in erster Linie von Todsünden zu reinigen. Aber was sind das für Sünden.