Vorbereitung zur Beichte

Die Vorbereitung zur Beichte ist der Beginn des Mysteriums der Busse. Es empfiehlt sich für die erste Beichte, dass Sie die vorangegangenen Seiten noch einmal durchlesen und sich die begangenen Sünden notieren. Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die Todsünden gerichtet werden. Vieles wird zu einem späteren Zeitpunkt in das Gedächtnis zurückkehren, wenn die Todsünden erst mal gebeichtet worden sind. Diese Sünden sollte man sich auch aufschreiben, um sie nicht zu vergessen und um sie bei einer der nächsten Beichten zu sagen. Denken Sie an das, was uns andere Menschen für gewöhnlich zum Vorwurf machen, besonders die, die an unserer Seite leben, nämlich unsere Angehörigen. Sehr oft sind deren Beschuldigungen, Beanstandungen und ihr Tadel gerechtfertigt. Doch selbst wenn diese unberechtigt anmuten sollten, so sollte man diese mit Sanftmut und ohne Verärgerung hinnehmen und dann überlegen: vielleicht ist ja doch ein Körnchen Wahrheit darin enthalten?

Denken Sie daran! Nur genannte Sünden können erlassen werden.

Nur ein Bedauern der begangenen Sünden ist nicht ausreichend. Die Frucht einer tiefgründigen Reue ist die Besserung alles erdenklich Möglichem in seinem Leben. Es ist erforderlich, das Begehen von neuen schweren Sünden zu vermeiden und die Folgen der bereits begangenen "auszubügeln". Vor der Beichte ist es unbedingt notwendig, all jene um Vergebung zu bitten, vor denen man sich schuldig fühlt. Sollten die eigenen Taten zu materiellen oder anderen Verlusten bei Mitmenschen geführt haben, so muss man versuchen, diese auszugleichen oder zu ersetzen. Dies ist eine wichtige Seite unserer Busse, die Johannes der Täufer als Darbringen "der Busse würdiger Früchte" bezeichnete (Lk. 3, 8). Nur durch das "Darbringen der Früchte" erkennen wir in vollem Umfang die Schwere der begangenen Sünden, die Tiefe unseres Falles und festigen die Entschiedenheit, ein neues Leben zu beginnen. Wenden Sie sich in ihren Gebeten an den Allgütigen, damit Er uns vergebe, uns die Möglichkeit gewähre, uns an unsere begangenen Sünden zu erinnern, diese zu bereuen und unsere Entschiedenheit festige, einen neuen Weg in unserem Leben zu beschreiten. Lesen Sie das Evangelium, - das Wort Gottes, welches an jeden von uns gerichtet ist. Einigen scheint es, dass es unmöglich sei, nach den Geboten des Evangeliums zu leben. Aber beginnen Sie nur damit! Ihre aufrichtigen Versuche werden von Ihm bemerkt werden und Seine Hilfe wird Ihnen schnell zuteil werden. Denken Sie daran! Gott ist nicht nur ein gerechter Richter, sondern auch ein gütiger Vater für alle, der allen die Errettung wünscht.

Viele derer, die früher noch nicht den christlichen Glauben angenommen hatten und außerhalb der Kirche standen, kommen zur ersten Beichte sich bereits im bürgerlichen Ehestand befindend. Wenn der andere Ehepartner auch ein Christ ist, und es von seiner Seite keine Einwände[3] gibt, dann ist, unabhängig vom Alter der Ehepartner, eine Besserung ihres Lebens die kirchliche Trauung.

Es gibt eine weitere Bedingung für die Vergebung unserer Sünden durch Gott: "Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergebungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben." (Mt. 6, 14). Den uns Kränkenden zu vergeben, ist manchmal nicht einfach! Man sagt, "dem Herzen kann man nicht befehlen". Aber Gott hat die Macht, unsere Herzen "zu ändern". Dazu muss man für die uns Kränkenden beten, damit Gott uns alle zur Vernunft bringt, uns Busse, Frieden, Stille und Liebe schenkt. Denken Sie daran! Sie werden Gott dem Allwissenden ihre Verfehlungen bekennen. Er kennt all Ihre Lebensumstände - alles, was Ihre Schuld mindert oder vertieft.

Der Priester übt bei der Beichte nicht die Funktion des Richters aus, sondern die eines Zeugen.

Bei der Beichte müssen Sie alles in Kürze darlegen, wessen Sie sich schuldig gemacht haben. Vermeiden Sie hierbei jede Art von Selbstrechtfertigung (z.B. Berufung auf Dritte oder auf Begleitumstände, die Sie zu dem einen oder anderen Verstoß verleitet haben) und verwenden Sie keine Ausdrücke mit dem Ziel, Ihre Schuld mildern zu lassen. Es ist offensichtlich, dass man sich an vieles nur schwer erinnern kann. Dazu kommt das Schamgefühl, wenn man all das vor dem Priester bekennen muss. Doch die Beichte ist fürwahr ein Gericht, das wir über uns selbst halten, - ein Gericht vor dem Angesichte Gottes und der Menschen, - ein Gericht, das vom Wesen her unausweichlich ist, "denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde" (Mark. 4, 23).

Denken Sie daran! Das Allerwichtigste jedoch, dass der Mensch mit zu diesem Gericht nehmen soll, ist sein Sündenbekenntnis aus reinem Herzen - aufrichtig und gewissenhaft.

Der Herr wird ein solches auch dann annehmen, wenn es nicht von einem starken Gefühl der Reue begleitet wird, das nur schwer Einzug halten kann in einem Herzen, welches "von der Flamme der Sünde verdorrt" ist. Die Reue ist die Abstoßung der Sünde, die als Resultat der Tätigkeit unseres Gewissens und nicht ohne die wohltätige Hilfe Gottes erfolgt. War die Beichte aufrichtig, mit dem Wunsch und dem Versuch, sein Leben zu ändern, mit allen sich zu versöhnen sowie mit dem Gebet um die Hilfe Gottes, dann stellt sich das Gefühl der Reue schon während des Mysteriums oder aber im Anschluss an dieses ein.

 

Autor: Tsypin, Leonid, Erzpriester

[1] Dieser Todsünden "rühmten" sich die Bewohner zweier antiker, von Gott dem Erdboden gleichgemachter Städte - Sodom und Gomorrha.

[2] "Kein faules Wort, aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe! Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin!" (Eph. 4, 29-30)

[3] Hier gibt es verschiedene Situationen, in denen der andere Ehepartner nicht wünscht, in den kirchlichen Ehestand zu treten. Verzagen Sie nicht, beten Sie und beratschlagen Sie sich mit einem Priester! In der Regel gelingt es, im Laufe der Zeit alles zu regeln. Die bürgerliche Ehe, auch mit einem nichtgetauften Ehepartner, muss erhalten und geweiht werden. Denn auch in ihr gibt es die Liebe zum Ehepartner und Kinder! Ausführlicheres finden Sie dazu bei Apostel Paulus in 1 Kor. 7, 12-18. Besonders wichtig ist das Gebet der Kirche. Nützlich sind auch Gespräche beider Ehepartner mit dem Priester.