Orthodoxe Bibliothek

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  2. Vor 1000 Jahren, also zweimal vierzehn Matthäusgeneratio- nen1 nach der Menschwerdung GOTTES, der Geburt Jesus Christus, wurde das Land der Rus unter dem Kiewer Fürsten Wladimir getauft. Es war ein gereiftes Christentum, welches in Gestalt byzantinischer Predigt und Liturgien, der von zwei bulgarischen Mönchen (Kyrill und Method) auf Kirchenslavisch niedergeschriebenen Hl. Schrift, der jahrhundertealten Gebetstradition der Mönche vom Berg Athos, in der Sprache der Ikonen und mit den Texten der Kirchenväter die götzenanbetenden Slaven erreichte. Mit ihm wandelte sich der noch Menschenopfer bringende Feu¬dalherrscher Wladimir I. zu einem Asketen, Büßer und um die Armen seines Landes besorgten Staatsmann. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Christ war die Abschaffung der Todesstrafe! Und spätestens mit seinen ersten Heiligen, den Fürsten Boris und Gleb, die sich 1015 opferten, um ihrem Volk sinnloses Blutvergießen zu ersparen, war die Rus ihrem Taufbecken entstiegen.
    Das Land identifizierte sich als »Heiliges Rußland«. Damit war jedoch keine selbst erklärte Heiligkeit gemeint, sondern das Bewußtsein um seine Herkunft. Das Volk brachte so »den eigentlichen Ursprung« seiner »Geschichte zum Ausdruck, das heißt nach Dostojewskij, daß das Ideal des Absoluten die einzige Kraft ist, die die Völker bewegt.« (Paul Evdokimov)
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  3. Die hier vom Autor Nikolaus Thon vorgelegte Arbeit „Quellenbuch zur Geschichte der Orthodoxen Kirche“ kann natürlich ihrem Wesen nach keine umfassende und systematische Darstellung der Geschichte aller orthodoxen Lokalkirchen sein, stellt aber vielmehr eine Art Handreichung, ein Nachschlagewerk dar, da sie Quellen und Dokumente zu einer Reihe wichtiger Abschnitte in der Geschichte der Einen Heiligen Orthodoxen Kirche wiedergibt, aus denen sich ein Bild vom Leben dieser Kirche gewinnen läßt.
    Eine besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Russischen Orthodoxen Kirche zuteil, der ein ziemlich ausführlicher Abschnitt gewidmet ist. Dies ist wohl auch dadurch bedingt, daß es kaum möglich war, in einem Werk dieses Umfanges alle Landeskirchen in gleichem Ausmaße zu berücksichtigen. Zugleich aber hat die Russische als die zahlenmäßig größte Orthodoxe Landeskirche immer für die Gesamtorthodoxie eine besondere Rolle gespielt.
    So hatte der Autor die schwierige Arbeit der Auswahl des immensen Materials zu bewältigen - und man darf wohl sagen, daß ihm dies glücklich gelungen ist. Da zudem ein vergleichbares Nachschlagewerk bisher nicht existierte, so stellt dieses Werk zugleich den ersten Versuch dar, überhaupt eine allgemeine Sammlung der die Orthodoxe Kirche betreffenden Dokumente zu erstellen
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  4. Nachdem ich in den Bukarester theologischen Zeitschriften der Jahre 195б-1977 schon viele Studien über die verschiedenen Themen der Dogmatik veröffentlicht hatte, konnte ich mit Gottes Hilfe nun eine Synthese Orthodoxer Dogmatik erstellen. Es handelt sich hier nicht um einen Wiederabdruck dieser Studien, sondern um ein Ganzes, das neu gedacht wurde, wenn zweifellos hier und dort irgendwie ein Nachklang jener Studien spürbar ist, vor allem wohl in der Art und Weise, wie an die dogmatische Lehre der Kirche herangegangen wird.
    In dieser Synthese habe ich mich, wie in jenen Studien, darum bemüht, vor allem die geistliche Bedeutung der dogmatischen Lehren herauszustellen, ihren Wahrheitsgehalt in seinem Bezug zu den tiefen Bedürfnissen der Seele darzulegen, die ihr Heil sucht und die auf ihrem Weg in möglichst positiver Gemeinschaft mit den Nächsten voranschreitet, auf welchem sie zugleich zu einer gewissen Gotteserfahrung kommt; ist doch Gott selber höchste Gemeinschaft und zugleich Kraftquell wahrer Gemeinschaft. Damit ist in diesem Werk die abstrakt-scholastische Methode in der Behandlung der Dogmen als rein theoretischer Lehrsätze, die in keiner Beziehung zum tiefen, geistlichen Leben der Seele stehen, verlassen; eine solche Methode ist heute längst überholt. Wenn eine orthodoxe Dogmatik nichts anderes ist als eine Interpretation der Dogmen — im Sinne des Herausstellens ihres tiefen und unendlich reichen geistlichen Heilsgehaltes, der in ihren knappen Formulierungen lebendig ist — so meine ich, daß eine authentische orthodoxe Dogmatik gerade auch diesen Weg einschlagen muß.
    In diesem Bemühen habe ich mich zugleich an die Art gehalten, in der die Heiligen Kirchenväter von einst die Lehre der Kirche verstanden, wobei ich mich aber bei dieser Interpretation der Dogmen zugleich auch von den geistlichen Notwendigkeiten der Seеle leiten ließ, die ihr Heil in dieser unserer Zeit sucht, nachdem die Menschen ja im Laufe der Jahrhunderte, die sie von der Epoche der Kirchenväter trennen, viele neue Erfahrungen gesammelt haben. Es gilt, die kirchliche Lehre im Geiste der Kirchenväter zu verstehen, bzw. sie so zu verstehen, wie wir meinen, daß sie sie heute verstanden hätten. Denn sie hätten von unserer Zeit nicht abgesehen, so wie sie das auch von der ihren nicht getan haben.

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  5. Die Besucher der orthodoxen Kirchen sind oft sehr beeindruckt von ihrem Licht, ihrer Wärme, von einer gewissen Vertrautheit im Umgang mit dem Himmlischen. Sogar außerhalb der Dienste atmet jede Stelle der Mauern die Gegenwart derjenigen, deren Anwesenheit die Ikonen bezeugen und die die Gemeinschaft der Menschen mit ihren Ahnen stiften: der Engel, Propheten, Apostel, Martyrer und Heiligen. Spontan fühlt sich der Mensch auf natürliche Weise als Gast Gottes, umgeben von Gottes Freunden.
    Mitten durch Jahrtausende oder einfach in der Zeit des Reifens eines Menschen wirkt die Liturgie mit einer großen bildnerischen Kraft auf die einzelnen Menschen. Ikonen, Dienste und Bräuche dringen in jede Einzelheit des täglichen Lebens von der Geburt bis zum Tod, machen die Heilige Schrift, das wunderbare lebendige Wort Gottes und den Himmel nah, vertraut, beinahe greifbar.
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