Bereits zum zehnten Mal fand die „Nacht der offenen Kirchen“ in Krefeld statt, diesmal am Freitag, den 27.06.2025. Neben dem Jubiläum war in diesem Jahr das Motto bemerkenswert „Was glaubst Du eigentlich?“ in Bezug auf das in diesem Jahr besondere Jubiläum des Ersten Ökumenischen Konzils in Nicäa, bei dem der erste Teil unseres christlichen Glaubensbekenntnisses formuliert worden ist. Die Eröffnungsveranstaltung fand in der Altkatholischen Kirche statt. Diakon Igor Willimowski gab einen „Impuls zum Glaubensbekenntnis von Nizäa (325)“. Die Feier begleitete unser Chor unter der Leitung von Elena Wagner mit drei Gesangsstücken in deutscher Sprache. An einer Podiumsdiskusion, die von der Vorsitzenden der ACK, Frau Dr. Barbara Schwahn, moderiert wurde, nahm neben Teilnehmern verschiedenster Konfessionen auch der Oberbürgermeister von Krefeld, Herr Frank Meyer, teil.
In unserer St. Barbara Kirche hatten wir ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Es gab Kirchenführungen, zu der mehr als 100 Besucher kamen. Ein Vortrag von Diakon Igor Willimowski: „Das erste ökumenische Konzil“ ging auf dessen Bedeutung damals und heute ein. Eine Orthodoxe Vesper bildete den gottesdienstlichen Rahmen, zu deren Abschluss der Gemeindevorsteher Priester Alexej Veselov predigte. Alle Teilnehmer waren sehr beeindruckt, stellten viele Fragen und äußerten oftmals auch den Wunsch, unsere Kirche wieder einmal besuchen zu können. Vielen Dank an alle Organisatoren und Mitwirkende!
Diakon Igor Willimowski: Impuls zum Glaubensbekenntnis von Nizäa (325)
Liebe Brüder und Schwestern, verehrte Anwesende,
vor einiger Zeit erlebten wir, wie eine Rakete, eine der größten, die jemals von Menschenhand gebaut worden ist, kurz nach dem Start vom Boden vom Kurs abwich, ins Trudeln geriet und explodierend abstürzte. Was war geschehen? Was hat das mit dem 1700-jährigen Gedächtnis des ersten Ökumenischen Konzils auf sich? Und wie steht dieses im Zusammenhang mit dem Motto der 10. Nacht der offenen Kirchen: „Was glaubst Du eigentlich?“
Im Jahr 325, als das 1. Ökumenische Konzil stattfand, also vor inzwischen 1700 Jahren, war die Kirche noch jung. Nach den Verfolgungen der ersten Jahrhunderte war das Christentum inzwischen Staatsreligion im römischen Reich. In dieser Frühzeit der Kirche begannen sich verschiedene Lehren, oder besser gesagt, Häresien – Irrlehren, über Christus und Gott zu verbreiten.
Wer war Christus? Ein Mensch? Gott? Oder beides?
Diese Fragen wurden durchaus unterschiedlich beantwortet. Und so wurde es erforderlich, dass Bischöfe der gesamten christlichen Welt, also aus dem Römischen Reich, um 325 an dem Ort Nikäa (dem heutigen İznik in der Türkei) zusammenkamen, um zu definieren, was der genaue Glaubensinhalt ist. Es waren dort Heilige, die wir sehr gut kennen, die wir oft um Beistand vor Gott bitten, allen voran der Heilige Nikolaus und der Heilige Spyridon. Kaiser Konstantin, der 313 mit dem Mailänder Edikt das Christentum als Staatsreligion im Römische Reich festsetzte, führte den Vorsitz. Hauptdiskussionspunkt war die Auseinandersetzung mit der Lehre des Arius, in der Christus nicht als Gott bezeichnet wurde – eine Häresie, oder, mit anderen Worten, eine Irrlehre. Jesus Christus gilt bei Arius als geschaffen und damit nicht-göttlich, nicht wesensgleich mit Gott. Viele Bischöfe sind damals dieser Häresie verfallen und sogar der Imperator war den Arianern zugeneigt.
Während des Konzils wurden lange Debatten geführt, doch einen Wendepunkt stellte das Wunder des Heiligen Spyridon dar, welches vor allem auf die Herzen die Väter wirkte. Er ergriff das Wort und stellte sich in die Mitte des Saals. Dort nahm er einen Ziegelstein, hob ihn in seiner Hand und sprach: „Im Namen des Vaters!“ daraufhin brach aus dem Stein eine Feuerflamme in die Luft. Dann sagte er: „Und des Sohnes!“ und aus dem Ziegel floss Wasser auf den Boden. „Und des Heiligen Geistes!“ fuhr er fort und öffnete seine Hand. In dieser befand sich der Lehm, aus dem der Ziegel gemacht war. Auf diese einfache Art und Weise offenbarte sich die Heilige Dreiheit. Den Vätern des Konzils wurde durch dieses weitere Wunder klar – so, wie in dem Ziegelstein untrennbar Lehm, Wasser und Feuer vereint waren, sind in dem einen Gott, der Heiligen Dreiheit, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligen Geist eins. Der heilige Bischof erklärte: „Das sind drei Elemente, doch der Ziegelstein ist einer. So auch in der Heiligen Dreiheit – Drei Hypostasen, aber die Gottheit ist eins.“ Die Lehre des Arius wurde auf dem Konzil schließlich als häretisch verurteilt. Das Konzil legte fest, dass Vater und Sohn gleichen Wesens seien.
Was war also passiert? Man hatte sich eigentlich um einen einzigen Buchstaben, dazu noch um einen besonders kleinen, das jota, also das „i“ gestritten. Es ging also um die klitzekleine Unterscheidung zwischen homousios (gr. eines Wesens) und homoiusios (gr. ähnlichen Wesens). „Dieser Mini-Unterschied“ hat allerdings erhebliche Auswirkungen. Er trennt die Christen, welche an die die Dreiheit Gottes und an die Wesenseinheit von Vater, Sohn und Heiliger Geist glauben, von denen, die nicht Christen sind, weil sie dies nicht tun.
Das Glaubensbekenntnis, das auf dem ersten ökumenischen Konzil von Nikäa formuliert worden ist und dann einige Jahre später auf dem zweiten Konzil in Konstantinopel bezüglich des Heiligen Geistes ergänzt wurde, hat eine herausgehobene Stellung in den Gebeten und ist Fixpunkt unseres Glaubens. Als orthodoxe Christen sprechen wir es jeden Morgen bei unseren Morgengebeten. Es wird vom Täufling während des Taufsakramentes bekannt bzw. seine Taufpaten übernehmen das, wenn er oder sie das selbst nicht tun kann, z.B. bei Babys oder Kleinstkindern. Das von allen Gläubigen gesprochene bzw. gesungene Glaubensbekenntnis ist in der Liturgie, im Abendmahlsgottesdienst, der Beginn des zentralen Momentes, bei dem dann Gott die Gaben in Form von Brot und Wein dargebracht und diese dann Leib und Blut Christ werden.
Wie bedeutsam aber der Glaube ist, sprach Jesus selbst zu seinen Jüngern: „Ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: ‚Heb dich dorthin!‘, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ (Mt 17,20-21). Es steckt also eine riesige Kraft darin, eine Kraft, die es uns letztendlich ermöglicht, ein Leben zu führen, welches uns Gott näherbringt und errettet zu werden.
Und jetzt komme ich auf die Rakete vom Anfang zurück. Sie hat auch eine große Kraft, die sie entwickelt, um die Erdanziehungskraft zu überwinden und Tonnen an Last in den Weltraum zu befördern. Wenn da nur ein klein wenig an der Abstimmung der Triebwerke sich an Ungenauigkeit einschleicht – im vorliegenden Fall fielen einige der 33 Triebwerke aus –, dann kommt sie vom Kurs ab, gerät ins Trudeln und das Ende kennen wir ja nun schon. Lasst uns das vor 1700 Jahren formulierte Glaubensbekenntnis von uns allen als zentrales Momentum unseres Glaubens bewahren, um auf dem Weg der Errettung zu bleiben, nicht vom Kurs abzukommen, und ins Trudeln und den Absturz zu geraten! Amen.